GTFS-Daten in ein Aimsun Next Verkehrsnetz importieren

Technische Mitteilung #61

Von Dimitris Triantafyllos

Juli 2021

GTFS-Feeds ermöglichen öffentlichen Verkehrsunternehmen oder -verbünden eine Veröffentlichung ihrer Soll-Fahrplandaten und Entwicklern die Erstellung von Anwendungen, die diese Daten interoperabel verarbeiten. Dimitris Triantafyllos erklärt, wie Sie GTFS-Daten in ein Aimsun Next Modell importieren.

Was ist GTFS?

Die General Transit Feed Specification (GTFS), zur Unterscheidung von der GTFS-Echtzeiterweiterung auch als GTFS Static oder Static Transit bezeichnet, definiert ein gemeinsames Format für Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und zugehörige geografische Informationen.

GTFS-Feeds ermöglichen öffentlichen Verkehrsunternehmen, ihre Soll-Fahrplandaten zu veröffentlichen, und Entwicklern, Anwendungen zu schreiben, die diese Daten interoperabel verarbeiten. Ein GTFS-Feed besteht aus einer Reihe von Textdateien, die in einer ZIP-Datei zusammengefasst sind. Jede Datei modelliert einen bestimmten Aspekt von ÖPNV-Informationen: Haltestellen, Routen, Fahrten und andere Fahrplandaten. Die Einzelheiten zu jeder Datei sind im GTFS-Referenzdokument definiert.

Wo kann ich öffentliche GTFS-Feeds beziehen?

Eine Liste der Verkehrsunternehmen, die öffentliche GTFS-Feeds bereitstellen, findet sich auf der Projekt-Website von GoogleTransitDataFeed.

Wie verwende ich den GTFS-Importer in Aimsun Next?

Anforderungen

Prüfen Sie nach Herunterladen des GTFS-Ordners (siehe Link oben), ob dieser die benötigten Dateien agency.txt, stops.txt, routes.txt, trips.txt und stop_times.txt enthält.

Die folgenden Dateien sind optional und können, sofern vorhanden, zur Erhöhung der Genauigkeit des GTFS-Importers verwendet werden: calendar.txt, calendar_dates.txt, fare_attributes.txt, fare_rules.txt, shapes.txt, frequencies.txt, transfers.txt, und feed_info.txt.

Empfohlene Vorgehensweise:

  1. Importieren Sie die ÖV-Haltestellen und korrigieren Sie alle Haltestellen, die falsch platziert wurden.
  2. Importieren Sie nach richtiger Platzierung aller Haltestellen die ÖV-Linien, und prüfen Sie, ob diese korrekt importiert wurden.
  3. Importieren Sie die Fahrpläne der entsprechenden Linien, und überprüfen Sie, ob diese korrekt importiert wurden.

Der GTFS-Importer erstellt die entsprechenden ÖV-Haltestellen, -Linien und -Fahrpläne innerhalb der Umrandungen des jeweiligen Teilnetzes und/oder für die mit einem bestimmten Szenario verknüpfte Geometrie.

A. ÖV-Haltestellen importieren:

  1. Wählen Sie »File« > »Import« > »GTFS Data«, um den GTFS-Importer zu öffnen:
    1. Wählen Sie im Feld »Directory« den Verzeichnispfad des GTFS-Ordners aus.
    2. Aktivieren Sie im Gruppenfeld »Inputs« die Option »Stops«. Dies bedeutet, dass nur ÖV-Haltestellen importiert werden.
    3. Wählen Sie im Feld »Subnetwork« das GTFS-Teilnetz aus, mit dem Sie arbeiten möchten. Belassen Sie die Auswahl bei »None«, verwendet der Importer das Gesamtnetz.
    4. Wählen Sie im Feld »Scenario« die Option »Dynamic Scenario« aus. Der GTFS-Importer erstellt die Haltestellen gemäß der Geometriekonfiguration dieses Szenarios.
    5. Belassen Sie die Auswahlmöglichkeiten unter »Search Distance« auf den Standardeinstellungen.
  1. Klicken Sie auf »OK«. Nach Abschluss des Importvorgangs wird dem Projektfenster eine neue Ebene namens GTFS_Stops hinzugefügt. Diese Ebene enthält alle in Aimsun Next importierten Haltestellen in Form von »GKPoint«- und »GKBusStop«-Objekten. Dabei werden alle zugehörigen Attribute importiert. Externe IDs und Attribute werden in beide Objekttypen importiert.

Tipp: Um zu überprüfen ob die Haltestellen auf den entsprechenden Strecken korrekt erstellt wurden, können Sie einen neuen Ansichtsmodus mit zwei Ansichtsarten (»GKPoint« und »GKBusStop«) erstellen.

B. ÖV-Linien importieren:

  1. Wählen Sie »File« > »Import« > »GTFS Data«. Nehmen Sie im Dialogfenster die gleichen Einstellungen wie oben vor, aber achten Sie darauf, dass Sie sowohl die Option »Stops« als auch »Lines« aktivieren.
  1. Überprüfen Sie nach Abschluss des Importvorgangs die im Projektfenster hinzugefügten ÖV-Linien und korrigieren Sie diese gegebenenfalls. Kontrollieren Sie dazu das Protokollfenster auf eventuelle Warnungen oder Fehler während des Importvorgangs, und verwenden Sie das »Check and Fix«-Tool im Experiment, um zu überprüfen, ob alle ÖV-Linien korrekt importiert wurden. Für jede ÖV-Linie werden die folgenden Attribute erstellt:
    • »TripID«: trip_id aus der Datei trips.txt
    • »RouteID«: route_id aus der Datei trips.txt
    • »DirectionID«: direction_id aus der Datei trips.txt
    • »StartDate«: start_date aus der Datei calendar.txt
    • »StartTime«: start_time aus der Datei-frequencies.txt
    • »RouteColor«: route_color aus der Datei routes.txt.

 

  1. Überprüfen Sie, ob die Ebene »PT Network« angelegt und alle ÖV-Linien erfolgreich in diese Ebene importiert wurden.
  1. Stellen Sie sicher, dass alle ÖV-Linien richtig verknüpft wurden.

C. Fahrpläne importieren:

  1. Wählen Sie »File« > »Import« > »GTFS Data«. Nehmen Sie im Dialogfenster die gleichen Einstellungen vor wie oben, aber aktivieren Sie diesmal nur die Option »Timetables«.
  2. Überprüfen Sie nach Abschluss des Importvorgangs den Fahrplan jeder ÖV- Linie. Es sollten die folgenden Informationen importiert worden sein:
  • Der Fahrplanname enthält standardmäßig die in der Datei calendar.txt definierten Daten und Wochentage.
  • Die Abfahrtszeit ist fest vorgegeben, sofern in der Datei frequencies.txt keine Taktfrequenzinformationen für die Linie vorhanden sind.

Erweiterte Optionen

Auf der Registerkarte »Optional« des GTFS-Importers stehen Ihnen mehrere zusätzliche Optionen zur Verfügung.

  • »Prefixes«: Da sich die GTFS-Informationen laufend ändern, müssen die ÖV-Informationen im Aimsun Next Netz unter Umständen regelmäßig aktualisiert werden. Hierzu sollten Sie unter »Prefixes« entsprechende Präfixe für die jeweiligen ÖV-Linien und Fahrpläne vergeben.

Bei Vergabe von Präfixen wird das Liniennamen-Präfix (»Line Name«) nach Abschluss des Imports dem Namen der ÖV-Linie (z. B. A_4_1) sowie der externen ID (z. B. A_SCT-PCA-4) vorangestellt. Das Fahrplan-Präfix (»Timetable«) wird dem Namen des Fahrplans vorangestellt (z. B. B_GTFS…). Siehe hierzu als Beispiel die folgenden Abbildungen:

Präfixe werden hauptsächlich zu folgenden Zwecken verwendet:

  1. Beibehaltung mehrerer GTFS-Importversionen über einen längeren Zeitraum durch Vergabe eines jeweils neuen Linien- und Fahrplan-Präfixes (d. h. Festlegung des jeweiligen GTFS-Zeitraums bei unterschiedlichen Geometriekonfigurationen für aktuelle und zukünftige Szenarien). In diesem Fall müssen alle ÖV-Linien und Fahrpläne nach jedem Import neu überprüft und korrigiert werden.
  2. Löschen und Neuimport der Fahrpläne unter Beibehaltung aller vorhandenen ÖV-Linien. In diesem Fall müssen nur die importierten Fahrpläne überprüft und korrigiert sowie die gleichen Linien- und Fahrplan-Präfixe wie beim GTFS-Basisimport vergeben werden.
  3. Manuelles Löschen nicht länger im aktuellen Netz existierender ÖV-Linien und nur Import der neuen ÖV-Linien und Fahrpläne. In diesem Fall müssen nur die die neuen ÖV-Linien und Fahrpläne überprüft und korrigiert sowie die gleichen Linien- und Fahrplan-Präfixe wie beim GTFS-Basisimport vergeben werden.
  • Der GTFS-Importer liest standardmäßig alle im GTFS-Ordner vorhandenen Fahrpläne ein. Falls Sie keine Fahrpläne für den gesamten Zeitraum importieren möchten, sondern hauptsächlich für einen Wochentag, Samstag oder Sonntag, aktivieren Sie die Option »Date« und geben ein Datum ein, um die entsprechenden ÖV-Linien mit einem spezifischen Fahrplan für diesen Tag zu erstellen. Ein Fahrplan wird nur dann erstellt, wenn die Linie gemäß der Datei calendar.txt und den txt.-Dateien an diesem Tag verkehrt.
  • Ohne Aktivierung von »Shapes« werden die Haltestellen der Linienroute mittels Kurzwegberechnung miteinander verknüpft. Mit »Shapes« können Sie ÖV-Linien erstellen, die in der Datei shapes.txt vorhandenen Shapes anstatt dem kürzesten Weg zwischen den Haltestellen folgen. Achtung: Der Import mit Shapes führt nicht immer zu besseren Ergebnissen, da eine hochpräzise Übereinstimmung der Shape-Daten mit dem Netz gegeben sein muss.
  • Aktivieren Sie die Option »Apply Dwell Times«, um sicherzustellen, dass die in den Haltstellenaufenthaltszeiten definierten Versätze bei der Simulation berücksichtigt werden (deaktivieren Sie in allen Fahrplänen die Option »Non-Applied Offsets«).
  • Wählen Sie unter »Ban Sections Inside Layers« alle Ebenen aus, in denen Sie keine Haltestellen oder ÖV-Linien platzieren möchten.
  • Wählen Sie unter »Do Not Place Stops on Road Types« alle Straßentypen aus, auf denen Sie keine Haltestellen oder ÖV-Linien platzieren möchten.

  • Hast du eine Frage? Nimm Kontakt auf.
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