Fokus Smart City: Städtische Bastelarbeit

VDI nachrichten

24. Januar 2019

Die Digitalisierung bietet Chancen für Kommunen. Weltweit haben sich Städte auf den Weg zur Smart City gemacht. Doch Schnelligkeit allein entscheidet nicht. Von Stephan W. Eder, Fabian Kurmann, Regine Bönsch.

 

Fokus Smart City: Städtische Bastelarbeit

VDI nachrichten: Die Metropolen der Welt rüsten sich für einen Ansturm: Derzeit lebt rund die Hälfte der Bevölkerung laut den Vereinten Nationen in Städten, bis zum Jahr 2050 sollen es mehr als 70 % sein. Folgen sind Staus, Luftverschmutzung, Lärmbelastung, Wohnungsnot und lange Schlangen vor den Behörden. Smart Citys galten dafür eine Zeit lang als Zauberformel schlechthin.

Die Idee dahinter: Technik soll die Zukunftsprobleme der Kommunen managen. Breitband, Big Data und Vernetzung sind eine wichtige Basis, bringen allein jedoch noch längst nicht die Intelligenz in die Stadt. Peter Jakubowski, Forscher am Bundesinstitut für Bau- Stadt und Raumforschung, weiß das und warnt: „Wir dürfen uns nicht blind auf Technologie verlassen. Wir müssen entscheiden, wohin wir sie lenken wollen und wohin nicht.“

Smart-City-Konzepte können sehr unterschiedlich aussehen. Das zeigen unsere acht Beispielstädte auf den Seiten 20 und 21 – von Amsterdam über Dubai und Darmstadt bis hin zu Santander in Nordspanien. Da priorisieren die einen Mobilität, die anderen Gesundheitsdienste, die städtische Energiewende oder Verwaltungsprozesse. In Deutschland gibt es auch Leuchttürme. So hat der IT-Branchenverband Bitkom in seinem Smart-City-Atlas, der Anfang März erscheint, 54 Pionierstädte ausgemacht. Alexander Handschuh, Experte beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), weiß aber auch: „Der überwiegende Teil der 11 500 Städte und Gemeinden in Deutschland hat sich des Themas noch nicht angenommen.“

Die Zeit drängt: Digitalisierung wird auch in Kommunen immer mehr zum Standortfaktor, lockt Fachkräfte und Unternehmen. Wenn die Stadt das Zepter nicht selbst in die Hand nimmt, tun das künftig immer mehr Konzerne. Davor warnt Paolo Rinelli, Leiter Produktmanagement des Verkehrssimulationsspezialisten Aimsun, den Siemens letztes Jahr übernommen hat. „Die Stadtverwaltung sollte das Gehirn einer Smart City sein.“ Würden die Kommunen beispielsweise nicht proaktiv die Verkehrswende in die Hand nehmen, würden das Riesen wie Google oder Uber tun. Sie hätten aber nicht zwangsweise die Lebensqualität der Bürger im Sinn.

Blinder Aktionismus ist dennoch nicht angesagt. Auch die Langsamkeit bei der deutschen Implementierung habe ihre Vorteile. „Entwicklungen, die durch Konsens zustande kommen, können qualitativ hochwertiger sein“, betont Handschuh vom DStGB. Außerdem habe Deutschland künftig mit Themen wie Datenschutz, Dateneigentum und Datensouveränität eigene Exportschlager.

VDI nachrichten – Städtische Bastelarbeit.